Bratwurst

Jesses… Ich habe uns etwas überschätzt! Seit so ungefähr 6-8 Monaten starrte mich bei jedem Öffnen des Kühlschranks eine Dose mit 14 Metern Schweinedarm in Lake vorwurfsvoll an. So langsam musste das Bratwurst-Projekt mal angegangen werden, die Grillsaison ist immerhin gerade auf dem Höhepunkt.
Letzten Freitag war es dann soweit. Der Abend war unverplant und ich versuchte im Vorfeld auf komplizierte Art und Weise auszurechnen (wer mich kennt, weiß, dass das ein hoffnungsloses Unterfangen war), wieviel Fleisch ich für die 14 Meter Darm wohl benötige und bestellte sage und schreibe sechs Kilo Schweinebauch und vier Kilo Nacken… Habt ihr schonmal 10 (zehn!!!) Kilo Fleisch durch den Wolf gejagt? und das ganze zweimal. Einmal grobe Scheibe und einmal feine Scheibe. Dazu kommt ja, dass es unser erstes Mal war. Ich wässerte und spülte zum ersten Mal Schweinedarm, fädelte ihn zum ersten Mal auf den Wurstfüller und drehte zum ersten Mal mehr oder weniger gleichmäßige Würste ab. Gegen Mitternacht stand unsere Ehe kurz vor dem Aus. Aber hey! Mitgehangen, mitgefangen! Nachts um zwei vakumierte ich das letzte Paket und verfrachtete 119 Würste in vier verschiedenen Varianten in den Tiefkühler. 4 Testwürste wurden erstmal auf den Grill geschmissen und überzeugten geschmacklich auf ganzer Linie und der ganze Terz war vergessen! Nur bei der Gardauer ist Vorsicht geboten. Schön knackig heiß angrillen und dann nur noch kurz ziehen lassen, damit sie saftig bleiben.
Um hier niemanden zu überfordern, gibt´s hier und heute erstmal den Klassiker: Die Fränkische Bratwurst. Kräftig würzig durch Majoran, Piment und 2 Prozent Salzanteil. Die Zitronenschale gibt eine schöne Frische.
Übrigens: Damit euch das dämlich rumgerechne erspart bleibt: Hier habe ich später einen praktischen Rechner gefunden.

Fränkisch

  • 3,5 m Schweinedarm (Kaliber 30/32) in Lake
  • 1,5 kg Schweinebauch
  • 1 kg Schweinenacken
  • 50 gr Salz
  • 3 gr Pfefferkörner, gemörsert
  • 1 gr Pimentkörner, gemörsert
  • 1,5 gr Macis
  • 1,5 gr Kardamom
  • 3,5 gr Majoran gerebelt
  • 1 EL Zitronenschale

  1. Fleisch grob würfeln und für ca. eine Stunde in den Tiefkühler geben. In der Zeit kann schon mal der Fleischwolf aufgebaut und die Gewürzmischung abgewogen werden.
  2. Den Darm einmal mit klaren Wasser durchspülen und danach in frischem Wasser liegen lassen.
  3. Das Fleisch zuerst durch die 5 mm Scheibe des Wolfs und anschließend durch die 3 mm Scheibe lassen.
  4. Die Fleischmasse mit der Gewürzmischung in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben und mit dem Flachrührer 3 Minuten kräftig vermischen. Das gibt eine gute Bindung.
  5. Den Darm auf den Wurstfüller ziehen und die Fleischmasse gleichmäßig einfüllen. Mit welchem Druck und Geschwindigkeit muss jeder für sich selbst rausfinden. Am besten drückt ihr währenddessen den güllten Darm nach jeder gewünschten Wurstlängen einmal ab, um genug “Platz” zum anschließenden Abdrehen zu haben.
  6. Sobald entweder die Arbeitsfläche zu klein für die Riesenwurst geworden ist oder die Fleischmasse lehr, dreht ihr die einzelnen Würste ab. Dabei die Drehrichtung nach jeder Wurst ändern, sonst wickelt ihr die vorherige wieder auf. Zum Verständnis

 

2 Comments

  1. Oh wie cool, noch jemand, der dem Wursten ein wenig verfallen ist und darüber fast die Ehe riskiert hätte! Und das Rezept ist super nachvollziehbar. Ich hatte ja Thüringer auf dem Plan, aber vielleicht wird es jetzt doch Fränkische. Wobei mich die Tom Kha Gai-Wurst ja auch extrem verführerisch anlächelt. Supi!
    Liebe Grüße
    Simone

    • Und wie! 😀 Vielleicht ist es schon Zeit für ein anonymes Wurstsucht-Treffen?!
      Unter den vier Varianten meinen Liebling zu finden, ist nicht ganz einfach. Der Klassiker so pur mit Senf war schon echt ganz geil. Aber die Tom Kha Gai ist eben abgefahren und ich dachte sofort an einen asiatischen Hot-Dog <3

      Danke für deinen lieben Kommentar!

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*